Luftaufnahme_09-2016

Geschichte

Ortsbeschreibung und Entwicklung

Sülzenbrücken liegt 10 km nordwestlich von Arnstadt in einer Höhe von 250 m über dem Meeresspiegel.

Der Ort liegt am Rande einer ausgedehnten Talmulde in der durch Höhenzüge und Berghü­gel gegliederten Landschaft der "Drei Gleichen". Diese Landschaftsform hat sich in erdge­schichtlichen Zeiträumen aus einer geologischen Verwerfung, Teil der Creuzburg - Saatfelder Störung, herausmodelliert.

Die umgebenden Hügel bilden sich überwiegend aus dem Keuper, nördlich der Waid be­finden sich Schotterterrassen (Steinfelder). Vielfältige Eingriffe des Menschen haben das ursprüngliche Gesicht dieser Landschaft im Verlaufe von Jahrhunderten stark verändert.

Der in das Gelände eingetiefte, teils eingedämmte Waidbach, der Sülzenbrücken nördlich umfließt, entwässert heute das gesamte Gleichengebiet zur Apfelstädt.

Die Flur des Ortes Sülzenbrücken grenzt an die Fluren Haarhausen, Rehestädt, Thörey, Kornhochheim und Apfelstädt.

Die lokale Geländesituation um Sülzenbrücken in Verbindung mit dem alten Verkehrsweg führte schon früh zu einer Ansiedlung und zur Bildung des Ortsnamens. Der Name ist uns als Sulzepruc'ge (741) und Sulzebruggin (etwa 785) überliefert. Unter "pruc'ge" oder "brzggin" ist noch keine Brücke im heutigen Sinne zu verstehen, sondern ein mit Bohlen belegter Weg über eine sumpfige Geländestelle. Das Beiwort "sulze" charakterisiert ein salzhaltiges Gewässer (H. Walther).

Schwach salzhaltige Quellgewässer entstanden in der Gleichenmulde durch Auslaugen der gips- und salzhaltigen unteren Stufe des anstehenden mittleren Keupers, was auch zur wei­teren Absenkung der Tallage führte,

Erschöpfte Salzvorkommen und vielfältige Melioration können ein ständiges Sinken des Salzgehaltes verursacht haben. Noch Ende des vergangenen Jahrhunderts registrierten Bo­taniker salzliebende Pflanzen in diesem Biotop.

Gegenwärtig hat sich für das mit Gräben durchzogene, quellige Grünland am Waldbach südlich des Dorfs der Name "die Sülze" erhalten.
Ob die Deutung "Sulze" oder "Sülze" von Salz in unserem Falle zwingend ist, bleibt unsi­cher, möglich ist die Ableitung "Suhle", einem morastigen, wässrigen Gelände.

Quelle: Ortschronik / Festschrift von 1992

Sülzenbrücken – ein Ort mit Geschichte

Namenkundliche Studien zum Ortsname von Rüdiger Gebser

Sülzenbrücken – der Ursprung

Sülzenbrücken gehört nach Arnstadt, Mühlberg und Großmonra zu den ältesten urkundlich genannten Orten in Thüringen. Nach der Zerschlagung des Thüringer Königreiches (531/555) entstand der Ort durch fränkische Siedler am Ende des 6. oder Anfang des 7. Jahrhunderts. Das Haufendorf lag an einer alten Handelsstraße, die von Erfurt kommend über den Thüringer Wald nach Mainfranken verlief und gehörte deshalb, neben der Mühlburg (704), zu den wichtigsten fränkischen Militärstützpunkten. Möglicherweise geht das Land auf merowingisches Königsgut zurück, was die späteren umfangreichen Schenkungen von Karl dem Großen (747-814) an die Abtei Hersfeld beweisen (769 von Lullus gegründet). Um 725 begannen angelsächsische Missionare aus Wessex wie Wigbert (670-746), Willibald (700-787), Wunibald (701-761), Lullus (710-786) und Walburga (710-779) unter Wynfred/Bonifatius (673-754) thüringische Dörfer für die römische Kirche zu sichern. Bereits im Jahre 723 stellte der Frankenkönig Karl Martell (+22.10.741), Großvater Karls des Großen, einen Schutzbrief an fränkisch/thüringische Adlige für Bonifatius aus, der daraufhin in Hessen und Thüringen missionierte. Sein Verwandter Wunibald war zwischen 738/39 und 744 Pfarrer und Verwalter von sieben Kirchen (darunter Sülzenbrücken und Ohrdruf), während dessen Schwester Walburga möglicherweise in Apfelstädt und Arnstadt wirkte.

Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus der Lebensbeschreibung des heiligen Willibald, die von der Nonne Hugeburc noch zu dessen Lebzeiten (um 778) verfasst wurde. Hier heißt es auf Seite 100: „…tr. ebdomatib. ante nt. sa maram. in episcopatu cserat…in loco qudr sulzeprucge.“ („…tribus ebdomatibus ante natale Sancti Martini in episcopatum consecratus est in loco que dicitur Sulzeprucge.“), deutsch: “... drei Wochen vor der Geburt [Namenstag] des heiligen Martin [11.11.] wurde er zum Bischof geweiht an einem Ort, der Sülzenbrücken heißt.“

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Von Monte Cassino nach Sülzenbrücken

Kirche St. Wiperti
Kirche St. Wiperti

Vor 1275 Jahren, am 22. Oktober 741 (vielleicht auch erst 742) wurde in Sülzenbrücken der Pilger und Mönch Willibald zum Bischof geweiht.
Willibald ist um 700 in England geboren. Er kam schon als Kind ins Kloster und erhielt ei­ne gründliche Ausbildung. Den Zwanzigjährigen drängte es, um Christi willen auf Heimat und Besitz zu verzichten und das Leben eines Pilgers zu führen. Auch seinen Bruder Wun­nibald gewann er dafür. Ihre Pilgerschaft führte sie zunächst nach Rom. Wunnibald blieb viele Jahre dort. Willibald führte seine Sehnsucht nach Palästina, wo Jesus gelebt und ge­wirkt hatte. Danach lebte er zwei Jahre im prächtigen Konstantinopel als Einsiedlermönch an der Apostelkirche. Auf seiner nächsten Lebensstation war er von 729 an zehn Jahre lang Mönch im Kloster Monte Cassino in Italien. Nach seinen Wandererfahrungen ließ ihn die dort gepflegte Verbindung von Frömmigkeit, praktischer Arbeit und geistiger Kultur zu ei­ner besonderen Persönlichkeit reifen.

Willibalds Landsmann Bonifatius versuchte _zu der Zeit, der kirchlichen Arbeit im Osten des Frankenreiches eine feste Struktur zu geben. Bischöfe sollten dazu helfen, daß Glau­bensverkündigung und Glaubenspraxis vereinheitlicht, vertieft und erweitert würden. Wil­libald wurde Bischofskandidat. Papst Gregor III. machte ihn in "angenehmer Unterredung" mit dem "dringenden und sehnlichen Wunsch" des Bonifatius bekannt, und Willibald er­klärte sich bereit, "an jeden Ort der Welt ... aus freiem Willensentschluß zu gehen".

Sülzenbrücken war eine der ersten christlichen Wirkungsstätten in Thüringen. Seit 739 war sein Bruder Wunnibald hier Pfarrer. In Sülzenbrücken wurde Willibald am 22.10.741 (oder 742) von Bonifatius zum Bischof geweiht Die Bischöfe Burchard von Würzburg und Wit­ta von Büraburg in Hessen waren als Zeugen zugegen. Alle aktiv Beteiligten waren Mön­che, also in schlichter Kleidung, die Kirche vielleicht eine einfache Holzkirche; die kirchengescbichtlich so wichtige Handlung wird sich wohl in einem sehr bescheidenen Rahmen vollzogen haben. Möglicherweise war Willibald als Bischof von Erfurt vorgese­hen. Tatsächlich hat er bis zu seinem Tod 787 in Eichstätt in Bayern gewirkt. Der großge­wachsene, kräftige Mann, weitgereist und hochgebildet, lebte auch dort im Kloster. Die sorgfälüge Ausbildung von Mitarbeitern war ihm besonders wichtig. Dazu zog er auch sei­nen Bruder Wunnibald und später seine Schwester Walpurga heran. Auf ihre Anregung hin hat die Nonne Hugeburg die Lebensgeschichte des Willibald verfaßt, in der Sülzenbrücken zum erstenmal erwähnt wird.

Die drei "Missionsgeschwister" Willibald, Wunnibald und Walpurga stehen heute noch im Gebiet von Eichstätt in hohem Ansehen. Auch wir Christen in Thüringen haben Grund, uns dankbar an sie zu erinnern.

Quelle: Ortschronik / Festschrift von 1992
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